Nela's Geschichte

Eigentlich war es ja eine Notlösung, das Nela zu uns nach Nordhessen gekommen ist. Wir, die Dosenöffner für eine fünfköpfige Katzenbande, hatten uns bereit erklärt, Nela in Pflege zu nehmen, nachdem die ersten ernsthaften Interessenten sich doch wieder gegen ein älteres Tier und für einen Welpen entschieden haben. Da das reisefertige Tier (Impfungen, Bluttest, etc.) aber nicht wieder zurück auf die Straßen Athens sollte, wie schon einmal nach ihrer Kastration mit einem Jahr, erklärten wir uns bereit sie bis zu ihrer Vermittlung zu übernehmen.

Als dann das Ergebnis vom Bluttest zeigte, das sie Erlichiose positiv ist, da geriet die Entscheidung kurzzeitig ins Wanken, aber nach intensiver Information und Erfahrungsaustausch mit anderen Pflegestellen, wollten wir unsere Entscheidung nicht mehr rückgängig machen.

Und wir haben es bisher keinen Augenblick bereut.

Am 08.06.04 war es dann soweit. Nela saß in der Maschine von Athen nach Düsseldorf. Als wir am späten Nachmittag bei meiner Freundin eintrafen, die Nela vom Flughafen abgeholt hatte, hatten wir ein überaus ängstliches Bündel Hund vor uns. Auch nach 2 weiteren Stunden lag Nela nur auf ihrer Decke und wollte noch nicht mal aufstehen. Trotzdem entschlossen wir uns, uns Richtung Heimat auf den Weg zu machen. 

Und siehe da, nachdem sie das Haus verlassen hatte (wir mussten sie tragen, da Treppen ja noch schlimmer waren als geschlossene Räume :-() und im Freien war, war sie ein anderer Hund. Sogar im Auto wurde sie von Minute zu Minute aufgeschlossener und interessierter – Wald faszinierte sie ungemein. Unsere Vermutung ist, das das Tier sich selten in geschlossenen Räumen aufgehalten und es sogar verboten bekommen hat. 

Das zeigte auch die Ankunft in ihrem neuen Zuhause. *Treppen, oh Gott neh, da gehe ich nicht rauf* - alles zureden und ziehen an der Leine half nichts – tragen war wieder angesagt. Aber da wir ja ein intelligentes Mädchen sind, haben wir bald festgestellt, das es gar nicht so angsteinflößend ist und nun sprinten wir die Treppe rauf und freuen uns auf unsere Hundedecke. 

Dies war aber auch das einzige, was man Nela erst mal „beibringen“ musste. 

Stubenrein war gar kein Thema – das klappe sofort. 
An der Leine gehen, Geschirr umlegen – null Problemo, als wenn sie nie etwas anderes gemacht hätte. 
5 Katzen als Hausgenossen - nach anfänglicher Distanziertheit bilden die 6 jetzt ein gutes Team. Man sollte es nicht glauben, aber das Verhältnis in der Katzenbande ist seit dem eintreffen des Hundes deutlich entspannter - hoffentlich bleibt das so...
Nela mit zum Essen in die Gaststätte nehmen – nichts leichter als das – sie legt sich entspannt unter den Tisch und kommt gar nicht auf die Idee zu betteln.
Nach dem wir bei Bekannten in einem großen Garten das Laufen ohne Leine getestet haben, hat auch dieses bei ihr auf Anhieb super geklappt. Zuerst blieb sie immer in der Nähe, als sie sich dann etwas weiter entfernte, kam sie auf ein international verständliches Pfeifen schnell zurück.
Im Büro legt sie sich brav auf ihre Decke und wartet bis Gassigehen angesagt ist

Von Tag zu Tag schwindet ihre Ängstlichkeit auch immer mehr. Kleine Hunde finden wir schon ganz toll zum spielen, denn die können wir ggf. selbst dominieren :-) Bei Größeren warten wir erst mal ab, aber eigentlich hat es bisher keine Probleme gegeben. Die Tiere haben das immer stressfrei unter sich ausgemacht. Da an Nelas Körper auch keine auffälligen Narben zu erkennen sind, vermute ich, das sie sich auf der Straße äußerst geschickt mit ihren Artgenossen verhalten hat. Und warum sollte sie das hier nicht tun :-)

Hundespielzeug kennen wir halt auch nicht und können damit auch nichts anfangen. Aber das gibt es ja auch noch das Spielzeug, das den Katzen gehört und das kann sie ihnen natürlich nicht alles überlassen. Das gefällt! Aber egal - unsere Kampfkatze Yukkie ist dafür ein begeisterter Abnehmer für das große Spieltau.

Nachdem die Erlichiosetherapie erst mal abgeschlossen macht auch das Fell und das ganze Allgemeinbefinden einen guten Eindruck. Langsam bekommt Nela auch etwas mehr Speck auf die Rippen. Auch die Tierarztbesuche, das Einnehmen der Medizin und das Fressen überhaupt stellen keine Probleme dar. Wir warten jetzt 4 Wochen ab und lassen dann mal einen Bluttest machen und sehen dann weiter.

Trockenfutter ist in keinster Weise ihre bevorzugte Mahlzeit, aber wenn es im Katzenfressnapf liegt, dann können wir es ja nicht komplett den anderen Vierbeinern überlassen :-) Aber sonst fressen wir eigentlich alles, was in den Fressnapf kommt.

Nachdem Nela es sich ein paar Wochen angeschaut hat, das die Katzen sich auf den Couchen tummeln, während sie auf ihrer Decke liegt, war sie wohl der Meinung, das man auch bei diesem Thema die *Diskussion* nicht ganz den Fellmonstern der anderen Rasse überlasen kann. Ich warte ja nur noch darauf, das sie sich gemeinsam dort breit machen.

Alles in allem haben wir uns recht schnell zu 95% entschieden, das wir Nela nicht wieder abgeben!!! Nachdem sich dann auch noch ein Interessent gemeldet hat, haben wir sie schnell aus der Vermittlung genommen. :-)

Ich kann die Leute, die sich einen Hund anschaffen wollen, ja verstehen, wenn sie einen Welpen haben wollen. Welpen sind noch klein und niedlich und man ist zu einem sehr großen Maß dafür verantwortlich was aus ihnen wird.

Bei erwachsenen Tieren muss man diese nehmen wie sie sind und man kann nur noch in begrenztem Maße Einfluss nehmen. Aber dies muss nicht notwendigerweise negativ sein. Wie oben beschrieben sind uns z.B. alle stressigen Bereiche wie stubenrein, an der Leine gehen, ohne Leine gehen, Grundgehorsam, ... erspart geblieben, da dies auf anhieb geklappt hat :-))

Auch das ist wahrscheinlich nicht die Regel! Aber man kann wohl von einem gesunden Mittelweg ausgehen. Man kann sich bei den erwachsenen Tieren, die ja auch einiges durchgemacht haben, nicht sicher sein, was man bekommt, aber kann man sicher sein, das man selbst aus einem Welpen das *richtige* macht!?

Beide, Welpen und auch erwachsene Tiere, suchen ein zuhause und ich würde mich freuen, wenn die Quote der erwachsenen Tiere ein wenig größer wär.